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Robert Trujillo: Der Bassist, der den Groove zu Metallica brachte

Robert Trujillo (links) und James Hetfield (rechts) von Metallica bei einem Auftritt beim Rock in Rio Festival 2015. Foto: Felipe Dana
Das Wichtigste in Kürze
  • Robert Trujillo verbrachte fünfzehn Jahre bei Suicidal Tendencies, Infectious Grooves und der Band von Ozzy Osbourne, bevor er im Februar 2003 zu Metallica stieß.
  • Seine technische Handschrift: ein Dreiband-Fingerspiel, das aus dem Funk stammt und ihm erlaubt, die Gitarrenläufe im Vollgas zu verdoppeln.
  • Sein Equipment besteht aus drei Teilen: einer Warwick Streamer Signature, Ampeg SVT Heads an 8×10 Boxen und seinen Dunlop Signature Saiten.
  • Mehr als nur Bassist: Er produzierte den Dokumentarfilm Jaco (2014) und kaufte Jaco Pastorius’ Bass of Doom, um ihn an dessen Familie zurückzugeben.

Es gibt einen Riff, der sofort verrät, dass der Bassist im Funk Metal verwurzelt ist: der von „You Can’t Bring Me Down“. Im Bereich der Bässe hört man ihn mehrmals im Monat, oft nicht perfekt, aber immer mit einem Lächeln gespielt. Hinter diesem Riff steckt Robert Trujillo, ein Kalifornier, der seine Basslinien fünfzehn Jahre lang zwischen Skatepunk, Funk und Hard Rock bewegte, bevor er in der größten Metal-Band der Welt landete. Sein Werdegang erzählt etwas Seltenes: Vielseitigkeit zahlt sich immer aus. Ein Blick zurück auf die Laufbahn eines Bassisten aus Venice Beach, der zum langlebigsten Mitglied in der Geschichte von Metallica wurde, auf seine rechte Hand Technik und das passende Equipment.

Von Venice Beach zum Funk Metal: die Suicidal Tendencies Jahre

Geboren am 23. Oktober 1964 in Santa Monica, wuchs Robert Agustín Miguel Santiago Samuel Trujillo im Süden von Los Angeles zwischen Surfbrettern und Skateparks auf. Diese Board-Kultur hat ihn nie verlassen: Sie erklärt seine Spielhaltung, sehr tief, sehr breit, Beine gespreizt wie an einem Hang. Musikalisch lagen seine ersten Lieben nicht im Metal. Jaco Pastorius, Larry Graham, Stanley Clarke: Das sind Jazz- und Funk-Bassisten, die ihm zeigten, dass das Instrument einen Song tragen kann, statt ihn nur zu begleiten.

1989 stieg er bei Suicidal Tendencies ein, der Band von Mike Muir, die sich gerade wandelte. Die Formation verließ den reinen Hardcore Punk zugunsten eines breiteren Crossover Thrash, und Trujillos Einstieg beschleunigte diesen Prozess. Auf Lights… Camera… Revolution! (1990) verdoppelt sein Bass nicht nur die Gitarren: Er slapt, synkopiert, nimmt rhythmische Freiheiten, die man in diesem Genre selten hörte. Der Song „You Can’t Bring Me Down“ ist das Paradebeispiel.

Parallel gründeten Mike Muir und er Infectious Grooves, ein offen funkiges Metal-Projekt, dessen erstes Album 1991 erschien. Ein gewisser Ozzy Osbourne steuerte auf dem Titel „Therapy“ den Gesang bei. Eine Begegnung, die wichtig werden sollte.

Ozzy, Jerry Cantrell: die Schule des Sideman

Trujillo verließ Suicidal Tendencies 1995. Es folgten Jahre als hochkarätiger Sideman, die einen Musiker sicherer formen als jeder Hit. Er tourte mit Jerry Cantrell für dessen Solo-Projekt Boggy Depot, kreuzte den Weg von Black Label Society und stieg 1996 in die Band von Ozzy Osbourne ein. Dort blieb er bis 2003 und nahm unter anderem Down to Earth (2001) auf.

Hier entstand fast zufällig auch seine Bühnenmarke. Der berühmte Crab Walk, dieser hockende Krabbengang, tauchte erstmals 1996 bei einem Konzert mit Ozzy in Las Vegas auf. Trujillo erzählte es Guitar World: Ozzy holte ihn ab, beide begannen eine Art Tanz, und die Bewegung blieb. Zwanzig Jahre später fordert das Publikum sie noch bei „For Whom the Bell Tolls“.

2003: Wie Robert Trujillo zu Metallica kam

Als Jason Newsted Metallica im Januar 2001 verließ, begann eine schwierige Phase, die bis ins Mark im Dokumentarfilm Some Kind of Monster festgehalten wurde. Das Album St. Anger entstand ohne festen Bassisten, und die Auditions zogen sich über Monate hin. Dutzende Kandidaten kamen vorbei. Am 24. Februar 2003 fiel die Entscheidung: Es ist Robert Trujillo.

Die Audition-Sequenz, im Dokumentarfilm zu sehen, sagt alles über seinen Charakter aus. Er kennt die Songs nicht nur, er lebt sie, mit dieser leicht zurückgenommenen Platzierung, die den Riffs Gewicht verleiht. Hetfield, Ulrich und Hammett suchten nicht nur jemanden, der die Parts spielen konnte: Sie suchten Bühnenenergie. Der Film zeigt auch, wie die Band ihm eine Million Dollar Vorschuss übergibt – eine legendäre Szene unter Bassisten.

Gut zu wissen

Trujillo kam nach der Aufnahme von St. Anger zu Metallica: Die Bassparts auf dem Album spielte Produzent Bob Rock. Seine erste Studioaufnahme mit der Band ist daher Death Magnetic (2008), gefolgt von Hardwired… to Self-Destruct (2016) und 72 Seasons (April 2023).

Robert Trujillos Technik: drei Finger und ein funkiger Anker

Metallicas Repertoire stellt die rechte Hand vor ein sehr konkretes Problem. Bei „Battery“, „Blackened“ oder „Damage, Inc.“ spielen die Gitarren Galoppfiguren (eine Achtelnote gefolgt von zwei Sechzehnteln, schnell wiederholt) in Tempi, die locker über 200 BPM liegen. Viele Bassisten lösen das mit einem Plektrum. Trujillo spielt mit den Fingern und fügt der klassischen Wechselschlagtechnik mit Zeige- und Mittelfinger einen dritten Finger hinzu.

Das Prinzip ist einfach zu erklären, aber schwer zu meistern: Statt zwei Finger abzuwechseln, rotieren Ring-, Mittel- und Zeigefinger in einer Schleife. Das Tempo steigt um ein Drittel, ohne dass die Spannung zunimmt. Doch die Schwierigkeit verlagert sich: Jeder Finger hat eine andere Länge und Kraft, und es dauert Monate, bis alle drei Anschläge gleich klingen.

  • Ein Anschlag nahe am Steg, um den Ton zu verdichten und in einer Wand aus verzerrten Gitarren mehr Definition zu gewinnen.
  • Ein permanentes Dämpfen mit der linken Hand auf den tiefen Saiten, sonst vermischen sich die tiefen Frequenzen zu einem Brei.
  • Slap und Thumb, die live wieder hervorgeholt werden, besonders in den Zwischenparts, in denen er solo improvisiert.
  • Ein leicht zurückgenommener rhythmischer Einsatz, dieses funkige Erbe, das den Eindruck erweckt, die Band würde noch mehr Gas geben.
Profi-Tipps

Für das Einüben des Dreifinger-Spiels vergiss in den ersten Wochen die Geschwindigkeit. Metronom auf 60 BPM, eine einzige Note in Achtelnoten, Ringfinger-Daumen-Zeigefinger-Zyklus. Dein Ziel ist nicht das Tempo, sondern dass alle drei Anschläge genau dieselbe Lautstärke haben. Nimm dich auf: das Ohr verzeiht, die Wellenform nicht.

Das Equipment von Robert Trujillo: Warwick Streamer, Ampeg SVT und Signature-Saiten

Sein Referenzinstrument ist die Warwick Streamer. Der deutsche Gitarrenbauer präsentierte ihm 2010 nach zwei Jahren Entwicklung ein Signature-Modell: Ahornkorpus, neck-through-Bauweise (durchgehender Hals für längeren Sustain und eine nahtlose Verbindung ohne Halsfuß), Ebenholz-Griffbrett, Schaller 3D Steg, aktive EMG J/J Tonabnehmer und ein Bartolini 3-Band Preamp, alles in 34 Zoll Mensur. Die Oberflächen in Chrometone, Quicksilver oder Türkisblau sind zu seinem visuellen Markenzeichen geworden. Zwei Jahre später brachte Warwick die Artist Series und Rockbass-Versionen heraus, um auch preisbewussteren Budgets Zugang zu ermöglichen. Die Warwick Streamer NT 4-saitig bleibt der direkteste Einstieg in diese Klangfamilie.

Bei den Saiten hat er ein Dunlop Signature-Set entwickelt, das übrigens ab Werk auf seiner Warwick montiert ist. Die Stärke ist ordentlich: 45-105 bei den Dunlop Robert Trujillo Basssaiten in Nickel, 45-130 für die Fünfsaiter-Version. Nickel rundet die Mitten etwas ab, die Stainless Steel-Version liefert mehr Höhen: zwei Philosophien, gleiche Stärke.

Die Verstärkung sucht keine Feinheiten. Trujillo arbeitet mit Ampeg SVT, diesen Röhrenköpfen, die seit 1969 dafür gebaut sind, sich gegen eine Wand aus Gitarren zu behaupten. Praktisch: ein Ampeg SVT Classic Kopf an einem 8×10 SVT-810AV Lautsprecher, die Konfiguration, die den Rockbass-Sound seit einem halben Jahrhundert definiert. Der Klang entsteht durch die natürliche Röhrensättigung, wenn die Lautstärke steigt, direkt am Eingang.

Der Woodbrass Tipp

Um diesen Sound ohne das Signature-Modell zu erreichen, suche bei einer 4-saitigen E-Bass drei Zutaten: aktive Tonabnehmer, einen eingebauten Preamp mit Mittenregelung und einen dünnen Hals, der der rechten Hand entspanntes Spielen erlaubt. Der Rest ist Einstellungssache: Mitten bei etwa 800 Hz anheben, Höhen leicht absenken und eine sanfte Kompression davor.

Jaco Pastorius, die Bass of Doom und die Rolle als Vermittler

Es gibt ein Kapitel in Trujillos Leben, das nichts mit Metal zu tun hat und vielleicht das bewegendste ist. Als absoluter Fan von Jaco Pastorius finanzierte und produzierte er Jaco, eine 2014 erschienene Dokumentation über den Bassisten, der in den 70ern die Grammatik des Instruments veränderte. Ein mehrjähriges Projekt mit Familienarchiven und Augenzeugenberichten.

Eine weitere, diskretere Geste: die Bass of Doom. Diese Fender Jazz Bass von 1962, die Jaco selbst bundlos gemacht hatte, wurde 1982 gestohlen und tauchte Mitte der 2000er in einem New Yorker Laden wieder auf. Trujillo kaufte sie zurück und gab sie an die Familie Pastorius zurück, wo sie heute noch ist. Kein Ausstellungsstück, keine Privatsammlung: der Bass ist nach Hause zurückgekehrt.

Tipp

Lust, Jacos Spielfeld zu erkunden? Ein Fretless-Bass verändert das Spielgefühl schneller, als man denkt: Glissandi werden natürlich, gehaltene Töne atmen. Fang mit Linien an, die du schon auswendig kannst, sonst verbringst du die erste Woche damit, die Intonation zu suchen, statt den Klang zu hören.

Crab Walk, Weitergabe und zwanzig Jahre Bühne

2019, bei den Konzerten S&M2 mit dem San Francisco Symphony, wollte die Band Cliff Burton mit „(Anesthesia) Pulling Teeth“ ehren. Trujillo sollte das Stück spielen. Er überließ den Platz schließlich Scott Pingel, dem ersten Kontrabassisten des Orchesters, der es mit dem Bogen auf dem Kontrabass interpretierte. Sich für so einen Moment zurückzuziehen, damit er besser klingt, sagt viel über den Musiker aus.

Die Weitergabe lebt er auch zu Hause. Im April 2017 spielte sein Sohn Tye Trujillo, damals zwölf Jahre alt, sechs Südamerika-Konzerte mit Korn, von Bogotá bis Santiago. Robert erzählte das Abenteuer als Off-Stimme in einem kurzen Dokumentarfilm. Seitdem geht Tye seinen Weg mit eigenen Bands, gestützt auf das, was er immer vor Augen hatte: einen arbeitenden Vater.

Dreiundzwanzig Jahre nach seinem Einstieg ist Robert Trujillo bei Metallica mit Abstand der langlebigste Bassist. Drei Studioalben, ununterbrochene Stadiontourneen und eine Rolle, die sich entwickelt hat: Auf 72 Seasons (2023) übernimmt sein Bass voll seinen Platz im Mix, mit Linien, die sich unter den Riffs bewegen, statt sie Note für Note zu begleiten.

Quellen

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