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Joe Satriani: Die Legende hinter der Ibanez JS Serie

Joe Satriani live mit einer Ibanez JS Gitarre, Quelle: Pinterest
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Joe Satriani Gitarre entstand aus einer Zusammenarbeit mit Ibanez, die Ende der 1980er Jahre begann und 1990 in die JS Series mündete.
  • Satriani unterrichtete Schüler, die selbst zu Legenden wurden, darunter Steve Vai und Kirk Hammett (Metallica).
  • Das Album Surfing with the Alien (1987) ließ den instrumentalen Rock explodieren – ein Kunststück, das für eine Platte ohne Gesang extrem selten ist.
  • Ibanez bietet heute mehrere JS-Linien an, vom erschwinglichen Einstiegsmodell bis zum Top-Modell für die Bühne.

In der Werkstatt sagt man oft: In der Geschichte der E-Gitarre gibt es ein Vorher und ein Nachher Joe Satriani. Nur wenigen Instrumentalisten ist es gelungen, mit einer Platte ganz ohne gesungene Stimme einen kommerziellen Erfolg zu landen. Genau das aber hat dieser gebürtige Long Islander mit seiner Joe Satriani Gitarre um den Hals geschafft. Ein Rückblick auf den Werdegang eines außergewöhnlichen Gitarristen und die Entstehung einer der angesehensten Signature-Linien im Ibanez-Katalog.

Zwischen technischer Virtuosität, unfehlbarem Melodiegespür und einer maßgeschneiderten Instrumentenpalette hat Satriani weit mehr als nur eine Karriere aufgebaut: eine echte Schule. Wir erzählen dir, wie alles begann – und vor allem, wie es bis heute weitergeht.

Der Junge aus Long Island, der Hendrix übertreffen wollte

Joe Satriani wurde am 15. Juli 1956 in Westbury, New York, geboren. Der Legende nach erfuhr er mitten im Sportunterricht an einem Septembertag 1970 vom Tod Jimi Hendrix‘. Der Schock saß so tief, dass er noch am selben Tag beschloss, das Eishockey aufzugeben und sich ganz der Gitarre zu widmen. Eine Entscheidung eines 14-Jährigen, die die Geschichte des instrumentalen Rock buchstäblich verändern sollte.

Nach einem Musikstudium am Five Towns College zog Satriani nach Berkeley, Kalifornien, um näher an der dortigen Musikszene zu sein. Dort wurde er Gitarrenlehrer, und seine Schülerliste würde jede Musikschule vor Neid erblassen lassen: Steve Vai, Kirk Hammett (Metallica), Larry LaLonde (Primus), Alex Skolnick (Testament) und sogar Charlie Hunter gingen bei ihm ein und aus. Noch bevor er als Solokünstler durchstartete, hatte Satriani also bereits eine ganze Generation von Gitarristen geprägt.

Gut zu wissen

Bevor er als Künstler durchstartete, spielte Satriani 1986 sogar vor, um Cliff Burton bei Metallica zu ersetzen. Er lehnte ab, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren – eine Entscheidung, die sich wenige Monate später auszahlen sollte.

Surfing with the Alien: Der instrumentale Rock explodiert

Nach einem eher unbeachteten Debütalbum (Not of This Earth, 1986) veröffentlichte Satriani 1987 Surfing with the Alien. Die Platte kletterte bis auf Platz 29 der Billboard 200 und wurde schließlich mit Platin ausgezeichnet – ein Kunststück, das für ein rein instrumentales Album praktisch beispiellos ist. Die Titel Satch Boogie und Surfing with the Alien liefen rauf und runter im Rockradio, getragen von einem Spiel aus fließendem Legato (aneinandergereihte Töne ohne erneuten Anschlag), Flageolett-Tönen und einem Melodiegespür, das selbst Menschen anspricht, die noch nie eine Gitarre angefasst haben.

Der Erfolg war so groß, dass Mick Jagger ihn 1988 einlud, seine Solo-Tournee in Japan zu begleiten. Satriani wurde über Nacht zu einer festen Größe für eine ganze Generation von Gitarristen auf der Suche nach neuen Sounds. Genau in diesem entscheidenden Moment klopfte Ibanez an seine Tür.

Die Geburt der Joe Satriani Gitarre bei Ibanez

Ende der 1980er Jahre suchte Ibanez einen Gitarristen, der die Vision eines modernen, schnellen und ausdrucksstarken Instruments verkörpern konnte. Satriani erfüllte alle Kriterien. Die Partnerschaft begann mit Prototypen, die eng mit dem Künstler zusammen entwickelt wurden, bevor 1990 die offizielle Einführung der JS Series mit einem Gründungstrio folgte: der JS1, der JS2 (wegen ihrer verchromten Ausführung „Chromeboy“ genannt) und der JS3.

Satrianis Pflichtenheft war präzise: ein schlanker, schneller Hals für seine ultraschnellen Legato-Läufe, ein stabiles Vibratosystem für seine berühmten Dive Bombs (Ton-Abtauchen mit dem Vibrato) sowie eine Elektronik, die mühelos von warmem, rundem Klang zu scharfer Verzerrung wechseln kann, ohne an Klarheit zu verlieren. Dieser Anspruch machte die Joe Satriani Gitarre zu einer der langlebigsten Künstler-Hersteller-Kooperationen der Rockgeschichte – über drei Jahrzehnte nach ihren Anfängen.

Anatomie einer Signature: Was die JS Series einzigartig macht

Mehrere Merkmale ziehen sich Generation für Generation durch die JS-Modelle:

  • Ein schlanker, schneller Hals, konzipiert für müheloses technisches Spiel.
  • Ein erleichterter Zugang zum 24. Bund dank ausgefräster Hals-Korpus-Übergänge.
  • Signature-Tonabnehmer, allen voran die eigens für Satriani entwickelten DiMarzio-Pickups, darunter der berühmte „The Satchur8“.
  • Ein hochstabiles Vibratosystem, gebaut, um ein ausdrucksstarkes Spiel zu verkraften, ohne die Stimmung zu verlieren.

Manche High-End-Modelle verfügen sogar über einen Sustainiac, ein elektronisches System, das das Sustain (die Tonaushaltung) nahezu unendlich verlängert – so kann Satriani auf der Bühne einen Ton minutenlang halten, wie ein Signal an sein Publikum.

Tipp

Um Legato à la Satriani zu üben, beginne langsam auf einer einzigen Saite: Hammer-on und Pull-off im Wechsel, ohne das Plektrum erneut anzuschlagen. Die Geschwindigkeit kommt von selbst, sobald die Flüssigkeit im Spiel sitzt.

G3, Chickenfoot und eine Legende, die nie stillsteht

Satriani hat sich nie auf seinem Erfolg der 1980er Jahre ausgeruht. 1996 startete er das Wanderfestival G3, das mehrere virtuose Gitarristen für Solo-Sets samt gemeinsamer Jamsession auf die Bühne bringt. Steve Vai, Yngwie Malmsteen, John Petrucci und Steve Morse gaben sich im Laufe der Ausgaben die Klinke in die Hand – G3 wurde damit zum Pflichttermin für Fans instrumentaler Gitarrenmusik.

2008 schloss er sich zudem der Supergroup Chickenfoot an, zusammen mit Sammy Hagar, Michael Anthony und Chad Smith. Ein rockigerer Ausflug, diesmal mit gesungenen Songs, der zeigt, dass Satriani sich auch in eine Band einfügen kann, ohne seine Handschrift zu verlieren.

Was Auszeichnungen angeht, ist seine Bilanz beeindruckend: Satriani hält den Rekord für die meisten Grammy-Nominierungen in der Kategorie Best Rock Instrumental Performance, ohne je einen gewonnen zu haben. Ein Kuriosum für einen der meistverkauften Instrumentalgitarristen der Geschichte, mit mehr als zehn Millionen verkauften Alben weltweit.

Profi-Tipps

Satrianis Spiel mischt ständig Dur- und Moll-Tonleitern mit exotischeren Modi (dorisch, lydisch). Um dich daran anzunähern, übe deine Tonleitern zunächst auf langsamen Backing-Tracks, bevor du das Tempo erhöhst: Präzision geht immer vor Geschwindigkeit.

Welche Ibanez JS heute wählen?

Die aktuelle Modellpalette deckt ein breites Spektrum ab, vom Mittelklassemodell bis zum Bühnen-Flaggschiff. Um die Joe Satriani Gitarre kennenzulernen, ohne sich zu ruinieren, bleibt die Ibanez JS140M Soda Blue ein solider Einstieg mit der DNA der JS Series zu einem moderaten Preis. Eine Stufe darüber richtet sich die Ibanez JS3CR an Gitarristen, die einen schnellen Hals und eine ausgewogene Lutherie für modernes Spiel suchen.

Für alle, die dem Erlebnis des Künstlers am nächsten kommen wollen, sind die Ibanez JS2480-MCR Muscle Car Red und die Ibanez JS1GD, die in enger Zusammenarbeit mit Satriani selbst entwickelt wurde, das Beste vom Besten der Reihe. Und für Fans von Electro-Folk bietet die Ibanez JSA5-VB Vintage Burst die Signature in einer akustisch-elektrischen Version, mit Fishman Aura Pro Vorverstärker und speziell für den Künstler abgestimmten Presets.

Der Woodbrass-Tipp

Wenn du gerade erst mit einer JS Series anfängst, vernachlässige nicht die Einstellung des Vibratos: Ein gut ausbalanciertes Instrument (Steg parallel zum Korpus) hält seine Stimmung auch nach wiederholten Dive Bombs.

Eine Gitarre, die zur Sprache wurde

Was im Rückblick besonders auffällt, ist die Konsequenz in Satrianis Werdegang. Vom Teenager, den der Tod von Hendrix aus der Bahn warf, bis zu einem der angesehensten Instrumentalgitarristen der Welt, mit einigen Jahren dazwischen, in denen er diejenigen ausbildete, die später zu seinesgleichen wurden. Die Joe Satriani Gitarre ist kein bloßes Merchandise-Produkt: Sie ist die logische Fortsetzung eines künstlerischen Anspruchs, der auf mehr als fünfunddreißig Jahren Bühnen- und Studioerfahrung beruht.

Noch heute greift jede neue JS-Variante denselben roten Faden auf: ein auf Geschwindigkeit ausgelegter Hals, eine auf Ausdruckskraft getrimmte Elektronik und dieses gewisse Extra an Seele, durch das man einen Satriani-Sound schon nach wenigen Tönen erkennt.

Quellen

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