
- Prince ist ein virtuoser Gitarrist ebenso wie ein Multiinstrumentalist, der ganze Alben allein komponieren und einspielen kann.
- Sein Solo bei der Aufnahme von George Harrison in die Rock & Roll Hall of Fame (2004) bleibt einer der meistdiskutierten Gitarrenmomente der Rockgeschichte.
- Der Minneapolis Sound, eine Mischung aus Funk, Rock und synthetischem Pop, trägt seit Ende der 70er-Jahre seine Handschrift.
- Sein Erbe geht weit über die Musik hinaus: künstlerische Unabhängigkeit, selbstbewusste Androgynität und die vollständige Kontrolle über seine Produktion machen ihn zu einer unklassifizierbaren Figur.
Man kann seit Jahren Funk, Rock oder Pop hören – manche Künstler passen einfach in keine Schublade, und Prince ist wohl das beste Beispiel dafür. Gefürchteter Gitarrist, Keyboarder, Schlagzeuger, Produzent: Es ist schwer, eine Rolle zu finden, die er auf seinen eigenen Platten nicht übernommen hat.
Dieses Porträt zeigt, was Prince zu einer Legende für sich macht: sein außergewöhnliches Spiel als Gitarrist, sein fast obsessives Verhältnis zum Instrument in all seinen Formen und der Einfluss, den er bis heute auf ganze Musikergenerationen ausübt – weit über das Funk-Pop-Genre hinaus, in das man ihn allzu oft einordnet.
Ein Gitarrist, den die Branche lange unterschätzt hat
Lange Zeit hat die breite Öffentlichkeit vor allem den Showman Prince im Kopf gehabt: Falsett, Choreografien und extravagante Kostüme. Unter Musikern stand sein Ruf als Gitarrist jedoch schon lange fest. Synkopierte Riffs, Funk-Phrasierungen im Erbe von James Brown, psychedelische Ausbrüche à la Hendrix: Er bediente sich in allen Stilrichtungen, ohne sich je mit reiner Nachahmung zu begnügen.
Der Moment, der alles endgültig veränderte, war sein Solo bei der Aufnahme von George Harrison in die Rock & Roll Hall of Fame im Jahr 2004. An der Seite von Tom Petty, Jeff Lynne und Steve Winwood, bei der Interpretation von While My Guitar Gently Weeps, tritt Prince nach vorne an die Bühnenrampe und liefert eine Improvisation von seltener Intensität, bevor er am Ende des Songs seine Gitarre in die Luft fallen lässt – ein Mic-Drop-Moment mit sechs Saiten.
Es kursiert sogar eine Anekdote über die Hintergründe dieses Solos: Prince soll es übel genommen haben, im Vorjahr in den von der Musikpresse erstellten Ranglisten der besten Gitarristen zu fehlen, und dieser Auftritt wirkte stark wie eine schlagfertige Antwort darauf.
Prince unterschrieb bereits mit 18 Jahren bei Warner Bros. – mit einer für die damalige Zeit seltenen Klausel: der vollständigen Kontrolle über seine künstlerische Produktion. Diese Unabhängigkeit erklärt zu einem großen Teil seine Freiheit als Gitarrist und Komponist.
Der Multiinstrumentalist, der (fast) alles allein spielte
Was Prince wirklich auszeichnet, ist sein Verhältnis zum gesamten Instrumentarium. Auf seinen frühen Alben ist der Hinweis „Produced, Composed, Arranged and Performed by Prince“ kein Marketing-Argument: Er spielt tatsächlich fast alles selbst.
- Gitarre – Funk-Rhythmusgitarre, Rock-Soli, jazzig angereicherte Akkorde
- Bass – groovige Linien im Erbe der Funk-Szene von Minneapolis
- Schlagzeug – präzises Spiel, oft verdoppelt durch Drumcomputer wie die Linn LM-1
- Keyboards und Synthesizer – Flächen, Synth-Riffs und Texturen, die den Prince-Sound definieren
Diese Vielseitigkeit ist keine bloße Stilübung. Sie spiegelt eine ganzheitliche Vision von Musik wider: Prince hört einen Song komplett in seinem Kopf, vom Gitarrenriff bis zur Synth-Fläche, und weigert sich, diese Vision an irgendjemanden zu delegieren. Daher diese ganz besondere Mischung aus sinnlichem Funk, poliertem Pop und einer Prise Psychedelik, die man schließlich Minneapolis Sound nannte.
Willst du tiefer in die instrumentale Seite von Prince eintauchen? Seine berühmteste Gitarre, die Cloud Guitar, verdient einen eigenen Artikel: Wir erzählen dir ihre ganze Geschichte und ihre Konstruktion in unserem Porträt zu diesem Instrument.
Die Gitarre im Zentrum seiner Bühnenidentität
Jenseits von technischen Daten und Sammlerstücken zählt bei Prince vor allem, wie er seine E-Gitarre auf der Bühne einsetzt. Er sucht nie die technische Leistung um ihrer selbst willen: Jedes Solo erzählt etwas, jeder Larsen- oder Wah-Effekt unterstreicht eine bühnenspezifische Absicht.
Bei Purple Rain wird das Schlusssolo fast zu einem zweiten Refrain, ebenso sehr auf der Gitarre gesungen wie mit der Stimme. Auf späteren Tourneen wechselt er zwischen modifizierten Fender Telecaster und Stratocaster sowie Signature-Modellen, immer mit demselben Anspruch: ein warmer, präsenter Klang, der innerhalb weniger Takte vom Flüstern zum Schrei wechseln kann.
Wenn du diesem ganz besonderen Klang näherkommen willst, führt der logischste Weg über vielseitige E-Gitarren, die sowohl einen funkigen Clean-Sound als auch stärker verzerrten Rock-Sound abdecken können. Die Fender-Modelle bleiben eine naheliegende Referenz für alle, die dieses Repertoire erkunden wollen, ebenso wie ein gutes Wah-Pedal, um dieses ausdrucksstarke Vokabular des Funk-Rock wiederzufinden.
Um sich dem Funk-Pop-Sound von Prince anzunähern, ohne sich mit einem ganzen Pedalboard zu ruinieren, reichen oft ein gut eingestelltes Wah-Pedal und ein Röhrenverstärker, um diesen unverwechselbaren, fast vokalen Klang seiner Soli wiederzufinden.
Der Synthesizer, die andere Signatur des Minneapolis Sound
Über Prince zu sprechen, ohne sein Verhältnis zu Keyboards und Synthesizern zu erwähnen, ist unmöglich. Der Minneapolis Sound beruht auf einer präzisen Balance zwischen satter Gitarre und kühlen, fast robotischen Synth-Flächen, die aus der New Wave und der elektronischen Musik der frühen 80er-Jahre stammen.
Maschinen wie die Oberheim OB-X oder die Yamaha DX7 werden zu vollwertigen Kompositionswerkzeugen, genau wie seine Gitarre. Diese Doppelrolle – auf der einen Seite virtuoser Gitarrist, auf der anderen Architekt von Synths – erklärt, warum sich sein Stil so schwer in eine einzige Schublade einordnen lässt: Funk, Rock, Pop und Elektro überschneiden sich hier ständig.
Wenn dich diese Dimension ebenso interessiert wie die Gitarrenseite, hilft ein Blick auf Synthesizer zu verstehen, wie sich diese Texturen Schicht für Schicht aufbauen – genau so, wie Prince sie im Studio übereinanderlegte.
Ein Erbe, das weit über die Musik hinausgeht
Was Prince zu einer unklassifizierbaren Legende macht, ist nicht nur seine Technik. Es ist auch seine permanente Weigerung, sich einordnen zu lassen: musikalisches Genre, visuelle Identität, vertraglicher Status bei den Plattenfirmen. Er ging so weit, sich mitten im Rechtsstreit mit Warner Bros. in ein unaussprechliches Symbol umzubenennen – einfach nur, um die Kontrolle über sein eigenes Katalog zurückzugewinnen.
Diese künstlerische Unabhängigkeit hat den Weg für Generationen von Musikern geebnet, die heute dieselbe Kontrolle über ihre Produktion einfordern. Ob bei zeitgenössischen Funk-Künstlern, Pop-Produzenten oder Indie-Gitarristen – die Spuren von Prince sind allgegenwärtig, werden häufig zitiert und selten erreicht.
Ob du eher Gitarre oder eher Synth bist, merke dir vor allem eines von Prince: Die eigene musikalische Identität entwickelt man, indem man mehrere Instrumente beherrscht – nicht, indem man versucht, einen fertigen Sound zu kopieren.
Warum Prince Gitarristen bis heute fasziniert
Jahrzehnte nach seinen Anfängen bleibt Prince eine Pflichtreferenz für jeden Gitarristen, der sich für Funk-Rock interessiert. Sein Spiel verbindet rhythmische Präzision mit ständiger Risikobereitschaft – zwei Qualitäten, die bei ein und demselben Künstler nur selten zusammenkommen. Sein Einfluss findet sich bei so unterschiedlichen Musikern wie zeitgenössischen Funk-Gitarristen oder Pop-Produzenten, die seinen Groove-Sinn als absolute Referenz zitieren.
Auffällig ist die Konsequenz seines Vorgehens: Jedes Instrument, das er anfasst, dient dem Song, nie dem Ego. Eine Lehre, die weiterhin gilt, ob mit oder ohne Gitarre in der Hand.
Im Grunde hat Prince nie versucht, der beste Gitarrist, der beste Keyboarder oder der beste Produzent zu sein. Er hat sich einfach geweigert, sich zu entscheiden – und genau das macht sein Werk wohl bis heute so faszinierend.

