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Simon Phillips: Der Maestro mit tausend Grooves

Fotoquelle: drummersresource.com

Es gibt Schlagzeuger, die Geschichte durch ihre Kraft prägen, andere durch ihre Erfindungsgabe. Und dann gibt es Simon Phillips, dessen Spiel technische Virtuosität, Polyrhythmik und eine außergewöhnliche Klangkunst vereint. Während sein Name für manche eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt er für viele Musikliebhaber noch zu entdecken. Doch von Toto über Jeff Beck bis hin zu Hiromi, The Who oder Mike Oldfield hat Simon Phillips ganze Bereiche der zeitgenössischen Musiklandschaft geprägt.

In diesem Artikel tauchen wir ein in die Welt dieses herausragenden Schlagzeugers: seinen Werdegang, seine Technik, sein Set und warum er für Schlagzeuger eine absolute Referenz bleibt.


Eine Kindheit im Zeichen des Rhythmus

Simon Phillips wurde 1957 in London geboren, in eine Familie, die bereits von Musik geprägt war. Sein Vater, Sid Phillips, ist ein anerkannter Jazz-Klarinettist. Schon in seiner Kindheit tauchte der junge Simon in Swing-Arrangements, inspirierte Soli und die Obsession für Groove ein.

Mit 3 Jahren (ja, drei!) trommelte er bereits auf seinen ersten Percussions. Sehr schnell wurde Rhythmus zu seiner zweiten Sprache. Mit 12 Jahren spielte er bereits professionell im Orchester seines Vaters. Es war kein klassischer Weg, sondern ein vollständiges Eintauchen in die Welt der Live-Musik mit ihren Anforderungen, Improvisationen und ihrer Präzision.

Die Rock-Wende und explosive Anfänge

In den 70er Jahren verließ Phillips den familiären Jazz, um sich elektrischen Welten zu widmen. Er wurde der gefragte Session-Schlagzeuger: Judas Priest, Pete Townshend, Jeff Beck… Er setzte eine Signatur durch: ein ultra-präzises, fast chirurgisches Spiel, ohne je die Musikalität zu verlieren.

Der entscheidende Wendepunkt seiner Karriere kam 1992. Nach dem tragischen Tod von Jeff Porcaro, dem legendären Schlagzeuger von Toto, wurde Simon Phillips zur Rettung gerufen. Er übernahm den frei gewordenen Platz mit Demut und Brillanz. Das war keine leichte Aufgabe: Porcaro war eine Legende, und die Fans waren anspruchsvoll. Doch Phillips versuchte nicht, ihn zu imitieren. Er prägte seinen eigenen Stil, progressiver, technischer, und verlieh Toto neuen Schwung. Dort blieb er bis 2014.

Makellose Technik: Präzision und Unabhängigkeit

Simon Phillips ist nicht der Typ, der übertreibt. Seine Stärke liegt in einer anspruchsvollen technischen Beherrschung, die stets der Musik dient. Sein Spiel basiert auf ausgeprägter Unabhängigkeit, wobei jedes Glied autonom agiert, ohne den rhythmischen Faden zu verlieren. Linkes Fußpedal auf dem Hi-Hat, synkopierte Bassdrum, fließende Rolls auf den Toms… alles fügt sich mühelos zusammen.

Wo viele ungerade Taktarten als Herausforderung sehen, behandelt er sie ganz natürlich. Er bewegt sich in 7/8 oder 11/8, ohne den Groove zu beschweren, was seinen Stücken trotz ihrer Komplexität eine erstaunliche Flüssigkeit verleiht. Dieses Gleichgewicht findet sich auch in seinen eigenen Projekten wie Protocol, wo die sich entwickelnden Strukturen stets klar bleiben.

Fotoquelle: music.metason.net

In puncto Dynamik bevorzugt er Nuancen statt Wucht. Ghost Notes, dezente Akzente oder gedämpfte Schläge bereichern seine Patterns, ohne sie zu überladen. Selbst sein Einsatz der Becken – Splash, Ride, China – bleibt subtil und darauf ausgelegt, das Arrangement zu unterstützen, nicht zur Schau zu stellen.

Schließlich ermöglicht ihm sein teilweises beidhändiges Spiel, klassische Bewegungsmuster auf dem Set zu durchbrechen, indem er Start- und Endpunkte seiner Fills variiert. Eine unauffällige, aber wirkungsvolle Flexibilität. Um seine Grooves auszuprobieren, empfiehlt sich ein hochwertiges akustisches Schlagzeug, wie das Tama Starclassic Maple. Sein Spiel unterstreicht auch die Bedeutung eines vielfältigen Becken-Sets – Zildjian K Custom oder Sabian HHX passen perfekt zu diesem Stil.

Ein Setup so präzise wie sein Spiel

Kommen wir zum Equipment. Simon Phillips ist nicht der Typ, der seine Instrumente leichtfertig auswählt. Er arbeitet mit vertrauenswürdigen Marken, oft in direkter Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung. Hier ein typischer Überblick über sein Set:

  • Tama Starclassic Maple Schlagzeug (das er jahrelang benutzt hat)
  • Doppelte Bassdrum mit 22″ oder 24″
  • Bis zu 4 tiefe Toms, was einen sehr musikalischen Abstieg ermöglicht
  • Zildjian Becken mit einer Vielfalt an Crash, Ride, China, Splash…
  • Remo Emperor Clear Felle für einen klaren Anschlag und gute Mix-Präsenz
  • Roland V-Drums elektronische Pads als Ergänzung, besonders auf der Bühne

Mehr als nur Schlagzeug: Komponist und Produzent

Simon Phillips ist nicht nur Schlagzeuger, sondern ein vollständiger Musiker. Er komponiert, arrangiert, produziert und mischt. Sein persönliches Studio, Phantom Recordings in Los Angeles, ist ein technologisches Juwel. Dort nimmt er seine eigenen Projekte wie Protocol auf, eine Albumserie, in der er modernen Jazz Fusion erkundet, irgendwo zwischen Weather Report und Dream Theater. Auf diesen Alben spielt er nicht nur Schlagzeug, sondern auch Bass, Keyboards und überwacht die künstlerische Leitung.

Einfluss und Vermächtnis

Der Einfluss von Simon Phillips ist kaum zu messen. Er steht an der Schnittstelle verschiedener Welten: Rock, Jazz, Prog, Fusion, Pop, Metal. Er inspirierte Generationen von Schlagzeugern, von Gavin Harrison (Porcupine Tree) über Matt Garstka (Animals As Leaders) bis hin zu Anika Nilles und Benny Greb.

Einige Zitate von Schülern und Kollegen verdeutlichen seine Wirkung:

„Simon ist ein menschliches Metronom, aber mit Seele. Dave Weckl
Er hat mir beigebracht, niemals mit dem Groove zu schummeln. Thomas Lang

Warum Simon Phillips 2025 unverzichtbar bleibt

Weil er technische Meisterschaft im Dienst der Musik verkörpert. Weil er nie die Emotion der Demonstration geopfert hat. Weil er in einer musikalischen Welt, die von Geschwindigkeit fasziniert ist, lieber von Klangfarbe, rhythmischer Identität und Texturen spricht. Seine Arbeit ist eine Inspirationsquelle für jeden Musiker, ob Schlagzeuger, Tontechniker oder Komponist.

Fazit: Eine stille Legende

Simon Phillips ist nicht der medienwirksamste Schlagzeuger. Er sucht keinen Hype, und vielleicht ist das der Grund für seinen großen Respekt. Jede Note, die er spielt, ist durchdacht, gewogen und gefühlt. Er beweist, dass man ein Virtuose sein kann, ohne die Demut zu verlieren, dass man Grenzen verschieben kann, ohne in Prahlerei zu verfallen. Also, egal ob Sie professioneller Schlagzeuger oder einfach Liebhaber guter Musik sind, nehmen Sie sich Zeit, Simon Phillips zuzuhören. Und vielleicht möchten auch Sie Ihre Art, den Takt zu schlagen, neu entdecken!


Quellen:

  • Interviews mit Simon PhillipsModern Drummer Magazine, Drumeo, Rhythm Magazine
  • Offizielle Diskographie und Liner Notes der Alben Protocol I-IV
  • Offizielle Website von Simon Phillips https://simon-phillips.com
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