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Sting: der Bassist, der die Pop-Rock-Basslinie neu erfand

Sting auf der Bühne. Quelle: Pinterest
Das Wichtigste auf einen Blick
  • Sting, geboren als Gordon Sumner 1951 in Wallsend, ist ein ehemaliger Lehrer, der zum Bassisten und Sänger von The Police und später zum mehrfach mit Grammys ausgezeichneten Solo-Songwriter wurde.
  • Sein Stil beruht auf sparsamem Notenspiel: melodische Linien mit Reggae- und Jazz-Einflüssen, bei denen der Raum genauso zählt wie der Groove.
  • In Sachen Equipment hat er sich durch die Fender Jazz Bass, die Ibanez Musician fretless und die kopflose Steinberger gespielt, bevor er sich endgültig auf seinen Fender Precision im Vintage-Look niederließ.
  • Seine eigentliche Lektion für Bassisten: der Song geht vor der Selbstdarstellung – und gleichzeitig singen und spielen können.

Wir haben einige Saiten verschlissen beim Versuch, den Groove von Sting nachzubilden. Und jedes Mal die gleiche Erkenntnis: Es geht nicht um die Noten, es geht um den Raum. Eine synkopierte Bass-Linie zu spielen und gleichzeitig eine Gesangsmelodie zu legen, ist ein Spagat, den nur wenige Musiker wirklich beherrschen. Er hat daraus sein Markenzeichen gemacht, vom ersten Riff von Roxanne bis zu den Jazz-Balladen seiner Solokarriere. Ein Blick auf den Werdegang, das Spiel und das Equipment eines Bassisten, der neu definiert hat, was ein Bass in einem populären Song erzählen kann.

Sting, vom Lehrer in Newcastle auf die Weltbühne

Vor den Stadien und Scheinwerfern gibt es Gordon Matthew Thomas Sumner, geboren am 2. Oktober 1951 in Wallsend, im Arbeitervorort von Newcastle. Ausgebildeter Grundschullehrer, unterrichtet er tagsüber und zieht nachts durch die Clubs. Dort bekommt er seinen Spitznamen: ein schwarz-gelb gestreifter Pullover im Bienen-Look, und die befreundeten Musiker taufen ihn Sting („der Stachel“). Der Spitzname sollte besser haften bleiben als sein richtiger Name.

Seine ersten Sporen verdient er sich im Jazz. Bei Last Exit, einer Jazz-Fusion-Formation aus Newcastle, schärft er ein melodisches Gehör und ein Gespür für Harmonie, das ihn sein ganzes Leben begleiten wird. Diese Vergangenheit erklärt vieles: ein Bassist, der in Akkorden und Gegenstimmen denkt, nicht nur in hämmernden Grundtönen. Wer diese Jazz-Wurzel kennt, dem erschließt sich der Rest seiner Diskografie schlagartig.

1977 trifft er in London auf den Schlagzeuger Stewart Copeland und den Gitarristen Andy Summers. Das Trio nennt sich The Police und erfindet eine explosive Formel: nervöser Rock gekreuzt mit weißem Reggae, unwiderstehliche Refrains und drei Musiker, die einander antworten. Fünf Alben, eine Handvoll Welthits und eine Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame im Jahr 2003 später ist Sting zu einer Institution geworden. Seine 1985 gestartete Solokarriere führt das Abenteuer fort in Richtung Jazz, World Music und Singer-Songwriter-Tradition.

Gut zu wissen

Der Spitzname „Sting“ stammt nicht von der Bühne, sondern von einem schwarz-gelb gestreiften Pullover, den er in seinen Jazz-Jahren in Newcastle trug. Seine Kollegen fanden, er sehe aus wie eine Wespe: Der Stachel ist geblieben. Er selbst erzählt, dass ihn seither kaum noch jemand Gordon genannt hat.

Stings Stil: weniger Noten, mehr Groove

Was schon beim ersten Hören auffällt, ist seine Zurückhaltung. Wo andere Bassisten jede Stille ausfüllen, lässt Sting atmen. Hör dir Walking on the Moon an: Die Basslinie ist fast skelettartig, ein paar Noten ins Leere gesetzt, und doch trägt sie den ganzen Song. Diese Kunst des Weniger-ist-mehr, ererbt aus Reggae und Dub, ist seine markanteste Signatur.

Seine andere Stärke ist das melodische Gespür. Der Jazz hat ihn gelehrt, den Bass singen zu lassen, ihn wie eine zweite Stimme zu behandeln statt als bloßen rhythmischen Motor. Auf Roxanne oder Message in a Bottle treten seine Linien in einen Dialog mit der Stimme, statt sich nur damit zu begnügen, die Zählzeiten zu markieren. Und dann ist da die körperliche Meisterleistung: gleichzeitig zu singen und unabhängige Parts zu spielen – eine Entkopplung von Hand und Stimme, die jahrelange Arbeit erfordert.

Sting hat seine Bewunderung für Jaco Pastorius nie verborgen, dessen Fretless-Vokabular er sich gelegentlich angeeignet hat. Doch er hat diese Virtuosität stets in den Dienst des Songformats gestellt. „It’s a lovely bass, a 1954 P-Bass and it’s been bashed about a bit“, verriet er über eine seiner Precision: Hinter der Lässigkeit steckt eine Obsession für den richtigen Ton, für den Groove, der exakt an der Bassdrum klebt.

  • Sparsames Notenspiel: reduzierte Linien, viel Raum, der bewusst eingesetzte Reggae- und Dub-Einfluss.
  • Melodischer Ansatz: der Bass als Gegenstimme, direktes Erbe seiner Jazz-Jahre.
  • Entkopplung von Gesang und Spiel: eine Melodie singen und dabei eine eigenständige Basslinie halten – seine charakteristische Glanzleistung.
Tipp

Um dir das Feeling von Sting anzueignen, fang damit an, weniger zu spielen. Streich jede zweite Note aus deiner Linie und verriegle den Rest mit der Bassdrum. Wenn der Groove sitzt, versuche, eine einfache Melodie darüber zu summen: Das ist die Grundübung, um die berühmte Entkopplung von Gesang und Bass zu entwickeln.

Stings Bässe: Jazz Bass, Ibanez, Steinberger und die legendäre Precision

Reden wir über Gear, denn dort beginnt oft die Leidenschaft. In seinen Anfängen mit Last Exit und in den ersten Stunden von The Police spielt Sting vor allem auf einer Fender Jazz Bass von 1962, einem Klassiker mit rundem, singendem Ton, der zu seinem melodischen Ansatz passt. Sie ist der Archetyp der vielseitigen E-Bass, die mühelos vom Jazz zum Rock wechselt.

Ab 1979, für die Reggatta de Blanc-Ära, greift er zu einer Ibanez Musician fretless. Keine Bünde, also keine Markierungen: eine echte Herausforderung. „There were no fret markers on it, so all I could do was try to keep a straight face and guess!“, amüsierte er sich. Dieser Ausflug zum bundlosen Bass verfeinert seine Intonation und nährt jenes gleitende, fast vokale Element, das man auf einigen Titeln dieser Zeit hört.

1982, für die Ghost in the Machine-Tournee, wechselt er zu einer Steinberger L2, jenem kopflosen Bass aus Verbundwerkstoff, ultrakompakt und stabil, einem Sinnbild des 80er-Jahre-Sounds. Dann kommt die große Rückkehr zu den Wurzeln: Seit dem Dreh des Videos zu Demolition Man 1993 lässt Sting seine Fender Precision im Vintage-Look nicht mehr los, darunter eine wunderbar abgenutzte von 1957. Patiniertes Holz, ein Split-Pickup und jenes Korn, das den Sound des Pop-Rock-Basses definiert hat.

Fender hat im Übrigen eine Sting Signature Precision Bass herausgebracht, eine Nachbildung seiner damaligen P-Bass – ein Beweis dafür, dass sein Name für Bassisten zur Referenz geworden ist. Wenn du dem nahekommen willst, ziele auf eine 4-Saiter-Bass vom Typ Precision, einen Bassverstärker, der die Tiefen wiedergibt, ohne sie zu verwaschen, und einen Saitensatz mit Flatwound für diesen runden, matten Charakter. In der Solokarriere darf man den elektrischen Kontrabass nicht vergessen, den er bei einem niederländischen Gitarrenbauer in Auftrag gegeben hat und den er hervorholt, sobald er wieder an den Jazz anknüpfen will.

Der Woodbrass-Tipp

Du brauchst keine Precision von 1957, um diesen Sound anzustreben. Ein Bass vom Typ Precision in der Einsteigerklasse, Flatwound-Saiten und ein anständiger Verstärker reichen vollkommen aus, um den Stil zu ergründen. Das Geheimnis liegt vor allem im Anschlag und im Timing: Arbeite an der Gleichmäßigkeit, bevor du in Vintage-Equipment investierst.

Was Bassisten von Sting lernen können

Die erste Lektion lässt sich in einem Satz fassen: Der Bass dient dem Song. Sting hätte The Police in Selbstdarstellung ertränken können, er hat das Gegenteil gewählt. Jede Note zählt, weil es nur wenige gibt. Für einen Bassisten, der gerade anfängt, ist das die schwierigste und zugleich wertvollste Lektion: dem Drang zu widerstehen, alles auszufüllen.

Zweite Lektion: kultiviere dein melodisches Gehör. Stings Jazz-Vergangenheit macht den ganzen Unterschied. Akkorde zu verstehen, zu erkennen, wo man eine singende Note statt eines flachen Grundtons setzt – das verwandelt eine korrekte Linie in eine einprägsame. Du musst kein Jazzer werden, du musst nur darauf hören, was die Harmonie erzählt.

Und schließlich ist da die Unabhängigkeit. Gleichzeitig zu singen und zu spielen erscheint am Anfang unerreichbar, aber das erarbeitet man sich in kleinen Dosen, Takt für Takt. Sting erinnert daran, dass ein Bassist im Zentrum des Spiels stehen kann, ohne jemals die Show zu stehlen. Die Band zusammenhalten, den Song tragen, schlicht bleiben: Das ist vielleicht im Kern die Definition einer Bass-Legende.

Fazit

Vom Grundschullehrer aus Wallsend zum vielfach ausgezeichneten Songwriter hat Sting eine einzigartige Spur gezogen: die eines Bassisten, der in Melodien denkt, der beim Spielen singt und der den Song stets vor das Ego gestellt hat. Seine abgenutzte Fender Precision, sein Fretless-Intermezzo, seine vom Reggae inspirierten minimalistischen Linien: lauter Teile eines Puzzles, das sofort klingt. Wenn dir sein Werdegang Lust macht, einen Bass anzuschließen, ist das Equipment nur einen Klick entfernt. Anschlag und Timing dagegen muss man sich erarbeiten. Und genau das macht es so viel spannender.

Quellen

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