- Der Yamaha CS-80, der Roland Jupiter-8 und der Moog Minimoog Model D bilden das Trio der begehrtesten Vintage-Synthesizer weltweit.
- Der Sequential Prophet-5 revolutionierte die Branche, indem er den programmierbaren Preset-Speicher bei einem polyphonen Analogsynthesizer einführte.
- Der EMS Synthi AKS fasziniert weiterhin durch sein Kofferformat und seine einzigartige Patch-Matrix, genutzt von Pink Floyd und Brian Eno.
- Einige dieser Synthesizer erzielen auf dem Gebrauchtmarkt Preise von mehreren zehntausend Euro, doch Neuauflagen und Emulationen ermöglichen heute, ihrem Klang nahe zu kommen.
Wir alle kennen diesen Moment: Ein Musiker betritt das Geschäft und fragt: „Haben Sie vielleicht einen Minimoog auf Lager?“ Diese Frage taucht fast schon religiös regelmäßig auf. Sie fasst die Obsession um Vintage-Synthesizer gut zusammen – jene Geräte, die den Sound ganzer Jahrzehnte geprägt haben und Sammler sowie Musiker auf der Suche nach dem ursprünglichen analogen Klang begeistern. Welche Modelle erzielen Höchstpreise? Hier ist unser Top 5.
Yamaha CS-80: Der japanische Titan
Der 1977 erschienene Yamaha CS-80 gilt oft als der größte polyphone analoge Synthesizer, der je gebaut wurde. Acht Stimmen Polyphonie, zwei unabhängige Syntheseebenen pro Stimme, ein polyphoner Aftertouch (damals wie heute eine Seltenheit), eine 61-Tasten halbgewichtete Tastatur und ein Ribbon-Controller: Die technischen Daten sind beeindruckend.
Was den CS-80 wirklich einzigartig macht, ist seine Ausdruckskraft. Jede Taste reagiert individuell auf den Druck, was eine Modulation des Klangs Note für Note ermöglicht. Das Ergebnis: phänomenal breite Blechflächen und organische Texturen, die anderswo kaum authentisch reproduzierbar sind. Die natürliche Verstimmung zwischen den Stimmen verleiht ihm diese charakteristische Tiefe, eine Art lebendiger analoger Chor.
Vangelis machte den CS-80 zu seinem Markenzeichen, besonders im Soundtrack von Blade Runner und Chariots of Fire. Auch Toto nutzte ihn bei Africa. Problematisch: Das Gerät wiegt über 100 kg, ist stimmungsanfällig und besitzt kein originales MIDI. Auf dem Gebrauchtmarkt kann ein gut erhaltener CS-80 über 40.000 € kosten.
Der CS-80 ist direkt vom Yamaha GX-1 abgeleitet, einem 387 kg schweren Monster mit drei Tastaturen, das 1975 für 60.000 $ verkauft wurde. Nur wenige Künstler wie Keith Emerson oder Stevie Wonder konnten sich diesen leisten. Der CS-80 war die „tragbare“ Version dieses Kolosses.
Roland Jupiter-8: Polyphonie made in Japan
Der 1981 erschienene Roland Jupiter-8 – kurz JP-8 – ist der polyphone Synthesizer, der den Sound der 80er Jahre prägte. Acht Stimmen, sechzehn analoge Oszillatoren, ein resonanter, musikalisch äußerst wirkungsvoller Filter und eine Speicherfunktion für 64 Patches: Damals war das der Traum jedes professionellen Keyboarders.
Was den Jupiter-8 auszeichnet, ist die Wärme seiner Oszillatoren kombiniert mit einem integrierten Chorus, der die Flächen auf fast magische Weise verdickt. Die Pads des JP-8 sind bis heute eine absolute Referenz. Howard Jones, Duran Duran, Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre… die Liste der Künstler, die ihn nutzten, liest sich wie ein Who’s Who der Synthpop- und Elektronikszene.
Ein originaler Jupiter-8 in gutem Zustand wird zwischen 15.000 und 25.000 € gehandelt. Glücklicherweise hat Roland die Modellierung des JP-8 in seine aktuelle Produktlinie mit der ZEN-Core-Technologie integriert. Der Roland Jupiter-X ist der direkte Nachfolger, mit den modellierten Sounds des Jupiter-8 auf Knopfdruck.
Wenn du den Pad-Sound des Jupiter-8 ohne großen Aufwand erleben möchtest, schau dir die Model Expansions über Roland Cloud an. Die ACB-Modellierung (Analog Circuit Behavior) reproduziert das Verhalten der Originalschaltungen Bauteil für Bauteil, inklusive der kleinen Unvollkommenheiten, die den Charme ausmachen.
Moog Minimoog Model D: Der monophone heilige Gral
Man kann nicht über Vintage-Synthesizer sprechen, ohne denjenigen zu erwähnen, der alles ins Rollen brachte. Der Moog Minimoog Model D, eingeführt 1970, ist der ikonischste Synthesizer der Geschichte. Drei analoge Oszillatoren, ein Mixer, der mit Charakter übersteuern kann, und der legendäre 24 dB/Oktave Ladder-Tiefpassfilter: Dieser Filter ist DER Moog-Sound.
Der Minimoog ist monophon – eine Note zur Zeit – aber was für eine! Tiefe Bässe, die die Wände erzittern lassen, bis zu fetten, schneidenden Leads, jeder Klang besitzt eine fast greifbare physische Präsenz. Keith Emerson, Rick Wakeman, Herbie Hancock… sie alle trugen zur Legendenbildung bei.
Gute Nachrichten: Moog hat das Model D 2022 neu aufgelegt mit einem dedizierten LFO, Velocity, Aftertouch und MIDI. Der Minimoog Model D Edition 2022 ist bei Woodbrass erhältlich. Und wenn dein Budget kleiner ist, bietet die Moog-Reihe zugängliche Alternativen wie den Minitaur oder den Mavis.
Sequential Prophet-5: Der Regelbrecher

1978 stellte Dave Smith den Sequential Prophet-5 vor und die Welt der Synthesizer veränderte sich grundlegend. Zum ersten Mal bot ein polyphoner Analogsynthesizer einen programmierbaren Speicher: Du erstellst einen Klang, speicherst ihn und rufst ihn jederzeit wieder ab. Vor dem Prophet-5 musste jeder Patch manuell neu erstellt werden – ein Ärgernis, das Keyboarder damals nie vergessen werden.
Fünf Stimmen Polyphonie, zwei VCOs pro Stimme, ein resonanter Tiefpassfilter mit unverwechselbarem Klang: Der Prophet-5 prägte den Sound der späten 70er Jahre. Man hört ihn bei Phil Collins, Talking Heads, ABBA oder Radiohead. Seine einfache, aber effektive Architektur macht ihn zu einem Instrument, bei dem jeder Regler direkten musikalischen Einfluss hat.
Das Original gibt es in drei Revisionen, jede mit einem eigenen Klangcharakter. Sequential hat die Produktion mit dem Prophet-5 Rev 4 wieder aufgenommen, der beide Originalfiltertypen (Curtis und Rossum) sowie einen „Vintage“-Schalter enthält, um die Unvollkommenheiten der ersten Modelle wiederherzustellen.
Wenn dich der Prophet-5 träumen lässt, das Budget aber nicht mitspielt, schau dir den Sequential Prophet-6 oder den Sequential FOURM an. Sie tragen das klangliche Erbe des Prophet-5 mit modernen Features weiter. Entdecke die gesamte Analog-Synthesizer-Palette bei Woodbrass.
EMS Synthi AKS: Das tragbare Labor
Wir verlassen das Terrain der „klassischen“ Synthesizer und betreten die Welt der reinen Experimentierfreude. Der EMS Synthi AKS, ab 1972 von Electronic Music Studios in London produziert, ist ein modularer analoger Synthesizer in einem Koffer im Stil von James Bond. Drei Oszillatoren, ein Filter, ein Ringmodulator, eine Federhall-Einheit und eine Patch-Matrix mit Pins statt herkömmlicher Kabel: alles in einem handlichen Kofferformat.
Abgeleitet vom berühmten VCS3 (dem ersten tragbaren Synthesizer, der 1969 auf den Markt kam), ergänzt der Synthi AKS eine kapazitive Membrantastatur und einen 256-Schritte-Sequenzer im Deckel. Pianistisch kaum spielbar, ist diese Tastatur ein großartiges Werkzeug, um Sequenzen und experimentelle Klangtexturen zu erzeugen.
Pink Floyd nutzten ihn auf The Dark Side of the Moon – der Track On The Run wurde mit einem Synthi AKS aufgenommen, wie Alan Parsons enthüllte. Brian Eno machte ihn zu seinem bevorzugten Werkzeug für Klangbearbeitung bei Roxy Music. Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre, King Crimson: Sie alle erkundeten seine Möglichkeiten. Ein funktionstüchtiges Exemplar kann 30.000 bis 50.000 € erreichen.
Du möchtest modulare Synthese erkunden, ohne ein Vermögen auszugeben? Aktuelle semi-modulare Synthesizer wie der Moog Mavis oder der Behringer Crave bieten einen zugänglichen Einstieg mit kompatiblen CV/Gate-Anschlüssen. Entdecke die Auswahl an Synthesizern bei Woodbrass.
Warum sind diese Synthesizer so begehrt?
Über Nostalgie hinaus hat jede dieser fünf Maschinen etwas radikal Neues gebracht. Der CS-80 mit seiner polyphonen Ausdruckskraft. Der Jupiter-8 mit seinen legendären Flächen. Der Minimoog mit seinem mythischen Filter. Der Prophet-5 mit seinem programmierbaren Speicher. Der Synthi AKS mit seiner tragbaren modularen Philosophie.
Ihre Seltenheit spielt eine Rolle, doch der wahre Motor der Legende ist der Klang. Die Unvollkommenheiten der analogen Schaltungen – Verstimmungsdrift, Unterschiede zwischen den Stimmen, natürliche Sättigung – erzeugen eine harmonische Fülle, die digitale Geräte nur schwer nachbilden können.
Die gute Nachricht: Es gab nie mehr Möglichkeiten, diesen Klang zu erleben. Zwischen offiziellen Neuauflagen, spirituellen Nachfolgern und Software-Emulationen ist der Vintage-Sound zugänglicher denn je. Jetzt musst du nur noch dein Gerät wählen.

