
- Amy Winehouse prägte die Live-Szene mit einer rohen Gesangspräsenz und einer seltenen emotionalen Intensität.
- Ihr Konzert beim Glastonbury 2007 bleibt einer der ikonischsten Momente des Festivals.
- Der Auftritt bei den Grammy Awards 2008 aus London ging in die Legende ein.
- Trotz einer chaotischen Live-Karriere gehören ihre besten Shows zu den eindrucksvollsten der 2000er Jahre.
Bei Woodbrass haben wir Generationen von Sängerinnen und Sängern erlebt, die Amy Winehouse als absolute Inspiration nennen. Und das aus gutem Grund: Diese Stimme, irgendwo zwischen Jazz, Soul und R&B, war einzigartig. Auf der Bühne war Amy eine Seiltänzerin – fähig zu Großartigem wie zu Desaster, manchmal im selben Set. Doch wenn alles stimmte, war es schlichtweg überwältigend. Ein Rückblick auf fünf Konzerte, die das Live-Genie einer Künstlerin festhielten, die viel zu früh von uns ging.
1. Glastonbury Festival – 22. Juni 2007
Wir beginnen mit dem Konzert, das alles kristallisierte. Im Juni 2007 betritt Amy Winehouse die Pyramid Stage von Glastonbury, während Back to Black gerade die Welt erobert. Das Timing ist perfekt: Das Album läuft überall in Dauerschleife, die Singles sind Hits, und die britische Presse spricht nur über sie – noch nicht aus schlechten Gründen.
An diesem Abend liefert Amy ein 50-minütiges Set voller intensiver Energie. Ihre Stimme, kraftvoll und emotional geladen, trägt mühelos „Rehab“, „You Know I’m No Good“ und „Love Is a Losing Game“. Begleitet wird sie von den Dap-Kings, der Band von Sharon Jones, deren Bläser und Rhythmussektion der Show eine makellose Funk- und Soul-Basis geben. Die Chemie zwischen Amy und ihren Musikern ist spürbar. Das Publikum ist begeistert, und der Auftritt wird sofort zu einem der Höhepunkte in der Geschichte des Festivals.
Das Glastonbury-Konzert 2007 wurde live von der BBC übertragen. Die Aufnahmen verbreiteten sich weit und trugen dazu bei, Amy zu einer internationalen Ikone zu machen, weit über das britische Publikum hinaus.
2. Grammy Awards – 10. Februar 2008 (aus London)
Dieser Auftritt ist ein besonderer Fall. Im Februar 2008 gewinnt Amy fünf Grammy Awards, darunter Album des Jahres und Aufnahme des Jahres. Problem: Ihre rechtlichen Probleme in Großbritannien verhindern eine Reise in die USA. Die Lösung? Ein Live-Auftritt aus den Riverside Studios in London, der per Satellit zur Zeremonie in Los Angeles übertragen wird.
Amy singt „You Know I’m No Good“ und anschließend „Rehab“ vor einem kleinen, aber begeisterten Publikum. Ihre Stimme ist makellos, ihre Energie ansteckend. Als sie live erfährt, dass sie den Grammy für die Aufnahme des Jahres gewinnt, ist ihre Reaktion – eine Mischung aus Erstaunen und Freude – einer der emotionalsten Momente in der Geschichte der Zeremonie. An diesem Abend stiehlt sie trotz der Distanz allen Künstlern in L.A. die Show.
3. Shepherd’s Bush Empire, London – 2007
Während Glastonbury die große Open-Air-Show war, zeigt das Shepherd’s Bush Empire eine andere Seite von Amy Winehouse auf der Bühne: Intimität. Dieser Londoner Saal mit etwa 2.000 Plätzen bot den idealen Rahmen für ihr Repertoire. Hier keine riesige Menschenmenge, sondern ein Publikum, das speziell für sie gekommen war und jeder Note lauschte.
Das Set verbindet Songs von Frank und Back to Black mit einer Leichtigkeit, die zeigt, wie gut Amy beide Welten beherrscht. Die akustischen Arrangements lassen ihrer Stimme mehr Raum, und gerade bei den reduzierten Stücken – „Back to Black“, „Wake Up Alone“ – ist sie am eindrucksvollsten. Man hört jeden Riss, jede Nuance. Das ist die Art Konzert, bei dem man denkt, dass man etwas ganz Besonderes erlebt.
Um den charakteristischen Gesangsklang von Amy Winehouse im Studio oder live nachzuempfinden, macht ein gutes Großmembran-Kondensatormikrofon den Unterschied. Besonders Röhrenmodelle fangen die Wärme und natürliche Sättigung ein, die ihren Klang prägten.
4. Isle of Wight Festival – 10. Juni 2007
Zwei Wochen vor Glastonbury hatte Amy bereits ein anderes legendäres Festival zum Beben gebracht: das Isle of Wight Festival. Dieses Konzert wird oft vom Glastonbury-Auftritt überschattet, doch Zeitzeugen ordnen es auf dieselbe Stufe oder sogar höher in puncto Spontaneität ein.
Amy wirkt entspannt, lächelt und ist sichtlich glücklich, dort zu sein. Zwischen den Songs scherzt sie mit dem Publikum und spielt die Stücke mit einer verblüffenden Lockerheit. Die Band ist eingespielt, die Bläser knallen, die Rhythmussektion groovt mit chirurgischer Präzision. Es ist die Art Set, bei dem alles wie von selbst fließt – und genau diese Natürlichkeit macht die Performance so besonders. Das Isle of Wight 2007 zeigt Amy auf dem Höhepunkt, bevor die Turbulenzen überhandnahmen.
Du möchtest den Retro-Soul-Sound von Amys Backing-Band nachahmen? Fang mit einer guten Halbakustik-Gitarre an, angeschlossen an einen Röhrenverstärker mit etwas Federhall. Das ist die Basis des Dap-Kings-Sounds.
5. Porchester Hall, BBC Sessions – 2006
Zum Abschluss ein etwas weniger bekanntes, aber ebenso wichtiges Konzert. 2006 nahm Amy eine Live-Session für die BBC in der Porchester Hall in London auf, im Rahmen einer Radio- und TV-Produktion. Die Atmosphäre ist gedämpft, fast wie in einem Jazzclub, mit einem kleinen Orchester, das jedes Arrangement veredelt.
Dieses Konzert ist besonders wertvoll, weil es Amy kurz vor ihrem weltweiten Durchbruch zeigt. Sie singt Songs von Frank mit beeindruckender stimmlicher Reife und die ersten Live-Versionen von Stücken aus Back to Black – darunter eine atemberaubende Interpretation von „Love Is a Losing Game“. Kein Chaos, kein Drama: einfach eine außergewöhnliche Sängerin und ihre Musik. Für viele Fans ist dies die definitive Live-Aufnahme von Amy Winehouse.
Das Live-Erbe von Amy Winehouse
Amy Winehouses Bühnenkarriere war kurz und turbulent. Manche Abende endeten im öffentlichen Desaster, und das gehört zur Geschichte – das lässt sich nicht leugnen. Doch Amy auf ihre dunklen Momente zu reduzieren, verfehlt das Wesentliche. Wenn sie „on“ war, konnte niemand mithalten. Diese Altstimme, voll Soul und Lebenserfahrung, hatte die einzigartige Fähigkeit, jeden Song zur intimen Offenbarung zu machen. Die fünf Konzerte dieser Liste beweisen es: Amy Winehouse brauchte nichts außer ihrem Talent, um einen Saal – oder ein ganzes Festival – zu fesseln.

