In der kleinen Welt der E-Gitarren-Hardware folgt die Form oft der Funktion. Absolut betrachtet sind ein Locking-Tuner oder ein P90 nicht schön, wir sind nur daran gewöhnt, ihr Aussehen mit Klängen zu verbinden, die uns gefallen. Aber im Fall des Vibratos Bigsby ist es schwer, ästhetisch etwas daran auszusetzen, ganz im Gegenteil: Dieses legendäre Modell rechtfertigt allein schon den Kauf einer neuen Gitarre, um es zu begleiten!

Wenn Keith Richards für eine Vuitton-Werbung posiert, dann natürlich mit einer ES-345, die mit einem Bigsby ausgestattet ist.
Alles beginnt in den 40er Jahren. Paul Bigsby ist ein Motorradmechaniker, ein Fan schöner Mechanik, und er lernt den legendären Country-Gitarristen Merle Travis kennen, der ebenfalls ein begeisterter Motorradfahrer ist. Dieser zeigt Paul Bigsby seine Gibson Archtop, damit er sein Problem mit dem Kauffman-Vibrato behebt, das die Stimmung überhaupt nicht hält. Angesichts der offensichtlichen technischen Einschränkungen des Systems beginnt Bigsby mit der Entwicklung seines eigenen Systems, eines massiveren Vibratos, dessen großer Hebel unter der Stange die Saitenspannung ausgleicht und so eine optimale Stimmstabilität gewährleistet. Travis ist begeistert und setzt die Zusammenarbeit mit Bigsby über die Solidbody fort, die er für ihn bauen wird. Der Kopf inspirierte übrigens klar die Fender Stratocaster.
Kunstobjekt
Die Fans des Floyd Rose müssen leise schmunzeln, wenn sie die Worte „Bigsby“ und „optimale Stimmstabilität“ im selben Satz lesen. Es stimmt, dass die folgenden Systeme, zuerst das synchronized tremolo der Stratocaster (54) und dann der Floyd Rose mit Locking-Sattel (80er Jahre), eine viel bessere Stimmung garantieren, vor allem, wenn sie gut eingestellt sind. Trotzdem ist der Klang so unterschiedlich, dass das Bigsby trotz seiner fast 70 Jahre alten Mechanik immer noch die dritte große Art von Vibrato ist. Es entspannt die Saiten viel sanfter und progressiver als die beiden anderen, was es ermöglicht, seinen Noten eine sehr musikalische Bewegung zu verleihen, die dem Linkshand-Vibrato eines guten Gitarristen nicht unähnlich ist. Im Gegensatz zum Floyd Rose oder dem Vibrato der Strato, die als markante Spezialeffekte verwendet werden, ist das Bigsby ein feines klangliches Dekorationselement. Wenn man den Hebel jedoch kräftiger bewegt, kann es auch extremere Effekte erzeugen, wobei die Stimmstabilität dann eher ein Glücksspiel ist. Aber wie Neil Young, einer der berühmtesten – und heftigsten – Bigsby-Nutzer, sagte: „Ein Vibrato, das die Stimmung hält? Schön und gut, du warst ja vorher schon gestimmt! Ich verstimme mich bei jedem Stück.“ Mit anderen Worten: Das Bigsby ist ein eigenständiges Instrument, kein gewöhnliches Werkzeug. Es ist da, um Kunst zu machen.

Einer der sehr wenigen von Paul Bigsby gefertigten Gitarren, diese hier für den Country-Gitarristen Billy Byrd.
Welche Gitarre packen Sie um Ihr Bigsby?
Aber die Kunst des Bigsby ist vor allem auch ästhetisch. Dieses Metallstück ist so elegant, dass es den Gitarren, die es schmückt, sofort einen Art-Déco-Touch verleiht. Bleibt also die Frage: Welche Gitarre wählt man, um das Verlangen nach einem Bigsby zu begleiten? Die Kreationen der amerikanischen Marke Gretsch erscheinen als naheliegend, da das Vibrato untrennbar mit dem Look ihrer klassischen Modelle wie der White Falcon oder der Duo Jet verbunden ist. Übrigens ist die Verbindung zwischen den beiden Marken so deutlich, dass Gretsch 1999 die Marke Bigsby übernommen hat. Im Allgemeinen passt das Bigsby sehr gut zu eher vintage-orientierten Gitarren, mehr zu Ibanez Artcore als zu Ibanez RG. Es passt sehr gut zu den kitschigen Kuriositäten der Marken Airline oder Duesenberg, aber macht auch auf „klassischeren“ Gitarren wie der Telecaster, der SG oder sogar der Les Paul keine schlechte Figur (zum Beispiel waren Keith Richards’ ’59 Sunburst oder Jimmy Pages dreifach bestückte schwarze Custom mit Bigsby ausgestattet). Schließlich ein kleiner Tipp für wahre Liebhaber schöner Dinge, die sich auf das Bigsby-Abenteuer einlassen: Nach einem Solo, bei dem Sie das Vibrato etwas zu sehr strapaziert haben, genügt meist ein kleiner Schlag des Hebels nach oben, um die Stimmung wiederherzustellen. Also, worauf warten Sie noch?

