
Zwischen Festivals, Clinics, Tiny Desk Sessions, Drumming-Kanälen und viralen Challenges erleben wir eine Zeit, in der das Drum-Solo wieder im Mittelpunkt steht. Es ist nicht mehr nur der „Ego-Moment“ eines Konzerts: Es ist eine Visitenkarte.
Für dieses Ranking haben wir uns auf folgende Kriterien gestützt:
- Die jüngste Periode (2021–2025)
- Den Buzz in der Community
- Das technische und musikalische Niveau
Fünf Solos, die alle überzeugen!
1. Greyson Nekrutman – „DRUM SOLO – RATAMAHATTA – ROOTS“ (Paris Drums Show 2025)
Greyson Nekrutman ist momentan überall präsent: Jazz, Big Band, Metal, Clinics und jetzt auch Schlagzeuger bei Sepultura. Sein Solo „DRUM SOLO – RATAMAHATTA – ROOTS“, aufgenommen auf der Paris Drums Show 2025, vereint alles, was seine Identität ausmacht: old-school Virtuosität à la Buddy Rich, moderne Energie und eine fast klinische Präzision.
In diesem Solo wechselt er mühelos von einem massiven tribalen Groove zu Big-Band-artigen Ausflügen. Jeder Aufbau ist wie ein kleiner Höhepunkt gedacht, mit Phrase, die wiederkehren, sich verwandeln und dann auf den Toms und der Ride-Becken explodieren. Man spürt den Bühnenmusiker, der gewohnt ist, mit dem Publikum zu kommunizieren, mit Spannung und Entspannung zu spielen.
Was dieses Solo unverzichtbar macht
- Mischung aus Big-Band– und Metal-Ästhetik
- Feinheit des Traditional Grip, selbst in sehr schnellen Passagen
- Extrem strukturierter Aufbau mit wiederkehrenden rhythmischen Themen
- Starke Interaktion mit dem Publikum, mit für die Bühne konzipierten Steigerungen
Über die technische Demonstration hinaus zeigt dieses Solo vor allem, wie sehr Greyson die Kunst des Storytellings am Schlagzeug beherrscht. Nichts ist zufällig: Jeder Akzent, jede Dynamikänderung dient dem Vorantreiben der Erzählung. Es ist die Art von Solo, die man sich mehrmals ansehen möchte, um alles zu analysieren.
- Den Traditional Grip üben, um mehr Nuancen und Kontrolle auf der Snare zu gewinnen
- Big-Band-ähnliche Phrasen für Rock/Metal adaptieren, um das Füllvokabular zu erweitern
- Das Solo in „Kapitel“ strukturieren mit starken wiederkehrenden Ideen



2. Larnell Lewis – „What About Me“ (Snarky Puppy, Jazz in Marciac 2023)
In der Schlagzeugwelt ist dieses Solo sofort zum Klassiker geworden. Larnell Lewis liefert hier eine wahre Meisterklasse in Sachen Musikalität und Polyrhythmik, bleibt dabei aber für das nicht-musikalische Publikum vollkommen verständlich. Es ist genau die Art von Solo, die sowohl Profis als auch Fans bei demselben Konzert begeistert.
Aufgenommen mit Snarky Puppy beim Jazz in Marciac, spielt dieses Solo in einem bereits musikalisch sehr dichten Kontext. Larnell versucht nicht, lauter oder schneller zu spielen, sondern vertieft den Groove, arbeitet mit Akzentverschiebungen und lässt jede Phrase atmen. Das Ergebnis ist ein Solo, das ganz natürlich fließt, obwohl es rhythmisch äußerst komplex ist.
Warum dieses Solo so beliebt ist
- Fließende Polyrhythmiken, die in den Groove integriert sind und nicht zur Schau gestellt werden
- Allgegenwärtige Ghost Notes, die das Time-Feeling auf der Snare formen
- Sehr narrativer Aufbau mit sich allmählich entwickelnden rhythmischen Motiven
- Natürlicher Groove, nie erzwungen, selbst in den komplexesten Passagen
Beeindruckend ist die seltene Mischung aus einer ultramodernen Sprache (Einflüsse aus Gospel, Fusion, zeitgenössischem Jazz) und völliger Klarheit. Du kannst dieses Solo einfach nur wegen des Feelings genießen, aber wenn du anfängst, es zu analysieren, merkst du schnell, wie sehr jedes Detail ausgearbeitet ist: Platzierung, Dynamik, Klang jedes Fells – alles ist unter Kontrolle.
Polyrhythmiken bei geringer Lautstärke üben, Nuancen auf Snare und Toms pflegen und die Ride-Kontrolle trainieren, um auch bei aufgeregtem Kit ein solides Time-Feeling zu behalten.
3. Eloy Casagrande – Drum Solo (Slipknot, UK Drum Show 2025)
Seitdem er bei Slipknot ist, hat Eloy Casagrande neu definiert, was man von einem modernen Metal-Schlagzeuger erwartet. Sein Solo auf der UK Drum Show 2025 ist eine Komposition aus kontrollierter Power, extremer Präzision und Showtalent. Es ist weit entfernt von einem einfachen Double-Bass-Feuerwerk: Jedes Kit-Element wird als rhythmisches Gestaltungsmittel eingesetzt.
Man erkennt seinen typischen Stil: Bassdrum-Patterns, die fast unmenschlich wirken, Tom-Folgen im Stil von tribalem brasilianischem Metal und eine beeindruckende Fähigkeit, den Backbeat mit Autorität zu treffen. Auf der Bühne klingt das massiv, aber wenn man genau hinhört, hört man auch eine echte Raffinesse in der Akzentverteilung.
Was dieses Solo monströs macht
- Ultra saubere Double Bass, selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten
- Synkopierte Breaks im Stil von tribalem Metal, mit viel Arbeit an den tiefen Toms
- Kraftvolle, aber gut lesbare Phrasen, immer im Groove verankert
- Solider Backbeat, selbst im Chaos bleibt die Snare der Anker
Dieses Solo ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Metal-Drumming 2025 klingen kann: heftig, ja, aber vor allem durchdacht. Eloy schafft es, musikalisch zu bleiben, während er die Grenzen von Ausdauer und Geschwindigkeit auslotet. Für viele Drummer ist es zur Referenz geworden, wenn es um intelligente Power am Kit geht.
Ausdauer auf der Double Bass trainieren, Klangkonstanz bei hohen Geschwindigkeiten, und die Synchronisation von Toms und Füßen üben, um tribale, groovige Phrasen zu bauen.
4. JD Beck – Solo beim Tiny Desk (DOMi & JD Beck, 2022)
JD Beck spielt buchstäblich, als wäre eine Drum Machine zum Leben erwacht. Sein Ansatz des „akustischen Beatmakings“ hat besonders bei diesem Tiny Desk mit DOMi Eindruck hinterlassen. Während viele Drummer versuchen, groß und laut zu klingen, wählt er einen trockenen, minimalistischen, ultra kontrollierten Sound, der an Hip-Hop- und Lo-Fi-Produktionen erinnert.
Alles spielt sich in den Details ab: Mikroakzente auf der Hi-Hat, Ghost Notes knapp hörbar, Snare-Verschiebungen, die das Tempo verzerren. Es ist kein klassisches Solo mit großem Finale, sondern eher eine Abfolge kleiner rhythmischer Ideen, die sich gegenseitig antworten, als würde man einem Produzenten live beim Zerlegen eines Grooves zusehen.
Die Highlights
- Trockener Sound, sehr hip-hop, mit wenig Resonanz und viel Kontrolle
- Fragmentierte und glitchige Phrasierung, aufgebaut wie ein zerschnittener Beat
- Verwirrende Hi-Hat-Akzentuierung mit verschobenen Akzenten, die den Groove verbiegen
- Totale Entspannung trotz Schwierigkeit, keine sichtbare Anspannung im Körper
Dieses Solo zeigt, wie nah das Schlagzeug an die Sprache der DAW herankommen kann, ohne seine organische Seite zu verlieren. Für eine ganze Generation von Drummern verkörpert JD Beck die Brücke zwischen der Produzentenwelt und der der Instrumentalisten. Es ist auch eine Erinnerung: Du musst nicht laut spielen, um Wirkung zu erzielen, du kannst den Impact durch Details und Timing aufbauen.
sehr einfache, aber hochdetaillierte Grooves üben, einen tighten Sound (tief gestimmtes Kit, wenig Resonanz) erforschen und mit kurzen, wiederholten und modulierten Phrasen experimentieren statt mit langen Rolls.
5. Greyson Nekrutman – Solo „Whiplash“ (YouTube-Version, 2021)
Er ist ein zweites Mal in diesem Ranking vertreten – und das ist kein Zufall. Greyson Nekrutman hat die Schlagzeug-Community mit seiner Live-Version des finalen Solos aus Whiplash regelrecht elektrisiert. Das Video wurde in den sozialen Netzwerken rauf und runter gespielt, analysiert, zerlegt und sogar von anderen bekannten Drummern kommentiert.
Hier handelt es sich um eine extrem anspruchsvolle Übung: ein Kult-Solo aus einem legendären Film zu übernehmen, ohne in eine flache Imitation zu verfallen. Greyson macht genau das Gegenteil: Er respektiert den Geist, bringt aber seinen eigenen Touch, seine Big-Band-Akzentuierung, seine fast freche Geschwindigkeit und die ihm eigene Spannungskunst ein.
Warum dieses Solo so viel Aufmerksamkeit bekommt
- Eine brillante Neuinterpretation eines Kult-Solos, gespielt mit chirurgischer Präzision
- Sehr ausgeprägte Swing-Akzentuierung, treu zur ursprünglichen Big-Band-Ästhetik
- Meisterhafte Nutzung des Traditional Grip für schnelle Rolls
- Aufbau mit fast filmischer Steigerung, perfekt im Geist des Films
Greyson spielt dieses Solo als lebendiges Tribut an Buddy Rich, während er seinen modernen Stil einfließen lässt. Es ist schnell, aggressiv, nervös, aber immer kontrolliert. Eine Darbietung, die ihm völlig zu Recht den zweiten Platz in diesem Ranking einbringt – oder besser gesagt, seinen zweiten Auftritt.
- Kontrollierte Rolls im Traditional Grip
- Ausdauer bei langen Phrasen mit verschobenen Akzenten
- Spannungsaufbau und -lösung in Solos
Wie du diese Solos in deinem eigenen Spiel nutzen kannst
- Wähle ein Solo aus und identifiziere die Höhepunkte
- Langsam spielen, die Phrasen singen, bevor du sie spielst
- Einige Schlüsseltakte transkribieren
- Die Ideen in deine eigenen Grooves einfließen lassen, statt sie Note für Note zu kopieren
Fazit
Hier ist ein solides Panorama dessen, was modernes Schlagzeugspiel am inspirierendsten bietet:
- Nekrutman für modernisierte Old-School-Virtuosität
- Larnell für pure Musikalität
- Casagrande für intelligente Power
- JD Beck für Beatmaking-Ästhetik
- Greyson Nekrutman für das Whiplash-Tribut auf YouTube
Quellen
1. Offizielle YouTube-Videos (im Artikel erwähnte Solos)
- Greyson Nekrutman – Drum Solo – Ratamahatta / Roots (Paris Drums Show 2025)
- Larnell Lewis – What About Me (Snarky Puppy – Jazz in Marciac 2023)
- Eloy Casagrande – UK Drum Show 2025 Drum Solo
- JD Beck – Tiny Desk Concert (DOMi & JD Beck)
- Greyson Nekrutman – Whiplash Drum Solo (youtube, 2021)

